Abizeitung 2000

Bertha von Suttner Gymnasium Andernach - Seite 8

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homo sABIens 2000
8 Abi-Jahrgang 2000
Pädagogische Schwachstellen
Viele fragen sich sicherlich, wozu es überhaupt noch gut ist, eine Abi-Zeitung zu schreiben, denn da „steht
ja doch immer nur das gleiche drin“. Aber zeigt nicht die Tatsache, dass sich einige Kritikpunkte in vielen
Abi-Zeitungen wiederholen, dass die Kritik berechtigt ist? Sollte man nicht davon ausgehen, dass sich die
angesprochenen Pädagogen einmal über das, was an ihrem Unterricht bemängelt wird, Gedanken machen?
Bei vielen scheint das offensichtlich nicht der Fall zu sein, denn sonst müßten wir die pädagogischen
Schwachstellen nicht immer wieder anprangern.
Aber ist es nicht vielleicht unfair oder feige von uns, am Ende unserer Schullaufbahn als eine Art Abrechnung
auf den Mißständen rumzuhacken? Wäre es nicht viel ehrlicher gewesen, wenn wir vorher mit den Lehrern
darüber gesprochen hätten, um gemeinsam eine Lösung zu finden? Uns hätte diese Lösung auch besser
gefallen, denn so würde sie nicht nur (hoffentlich) den Schülern nach uns helfen, sondern hätte auch uns
geholfen. Warum haben wir dann nicht schon früher mit den Lehrern über ihre pädagogischen Schwächen
geredet? Wir haben es vielfach versucht, aber wenn man wochenlang mit einem Pädagogen (!!!) immer
wieder über die selben Punkte diskutiert und merkt, dass der Lehrer einfach nicht bereit ist, sich die Kritik
der Schüler zu Herzen zu nehmen, dann resigniert man. Das ist vielleicht nicht die beste Reaktion, aber es
ist eine menschliche.
Besonders anschaulich war dieses Problem im Lateinunterricht von Herrn Sehr. Als wir ihn am Anfang der
12. Klasse bekamen, diskutierten wir fast einen Monat lang in jeder Stunde darüber, dass seine Anforderungen
zu hoch sind und dass wir die Hausaufgaben nicht alle schaffen können. Obwohl wir unsere Meinung also
deutlich und wiederholt artikulierten, änderte sich nichts, außer dass von Seiten des Pädogogen (?!)
Kommentare kamen, wie “nicht du schon wieder”. Die frustrierende Erfahrung, dass sich an seinem Unterricht
und an seinen Anforderungen nichts geändert hat, führte zu zwei Ergebnissen:
• Zuerst haben wir es drangegeben, jede Stunde aufs Neue mit ihm zu diskutieren, denn er nahm uns und
unsere Ansichten ja offenkundig nicht ernst.
• Unsere zweite Reaktion war, dass nach einiger Zeit jeder und jede (von ein oder zwei Ausnahmen
abgesehen) eine zweisprachige Ausgabe unseres Textes besaß und diese zumindest zu Hause benutzte,
weil sonst die Hausaufgaben nicht zu bewältigen gewesen wären. In den Jahren vorher hatten wir auch
Hausaufgaben auf, doch sie waren so gegeben, dass jeder, der es wirklich versuchte sie auch schaffen
konnte. Damals besaß keiner von uns eine Übersetzung, wir haben alles selbst übersetzt.
Man sieht also, dass es pädagogisch sehr sinnvoll ist, wenn man den Standpunkt der Schüler komplett
ignoriert bzw. sich darüber hinwegsetzt. Schüler sollen zu selbständigen, kritisch denkenden Menschen
erzogen werden, doch das geht nicht, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Ansichten noch nicht einmal
respektiert werden.
An dieser Stelle bleibt mir also nur ein Aufruf an alle wirklichen Pädagogen dieser Schule: Nehmen Sie
die Schüler und ihre Meinungen ernst. Denken Sie darüber nach, ob die Kritik der Schüler berechtigt ist
und versuchen Sie gemeinsam mit den Schülern eine Lösung zu finden.
Susanne Schmitt




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